Detailansicht

01.03.2016

"Ich bin ein Engländer in Deutschland"


Ein Co­me­dy-Ma­ra­thon der ganz be­son­de­ren Art steigt am 1. März erst­mals in Fran­ken: Sechs Co­me­di­ans wer­den nach­ein­an­der in sechs Kn­ei­pen, Ca­fés und Dis­ko­the­ken in der Würz­bur­ger In­nen­stadt auf­t­re­ten. Da­bei wan­dern nicht die Zu­schau­er von Ört­lich­keit zu Ört­lich­keit, son­dern die Künst­ler. Be­ti­telt ist die Ver­an­stal­tung als die "1. Ko­mi­sche Nacht Würz­burg".

Dabei ist das Format an sich nicht neu, komische Nächte gibt es schon seit einigen Jahren in mehr als zwanzig deutschen Städten. Mit dabei sein wird auch der Comedian Don Clarke. Der 60-jährige Brite lebt seit 30 Jahren in Deutschland.

Sie treten seit mehreren Jahren regelmäßig bei den "komischen Nächten" auf. Warum?
Ich bin Künstler, da arbeitet man nun mal so viel, wie man kann (lacht). Nein, im Ernst: Das Format passt gut zu mir. Ich bin ein Vollblutkomiker - und die komische Nacht ist für mich eine der wenigen echten Comedy-Veranstaltungen in Deutschland.


Aber Comedy und Kabarett gibt es hier doch jede Menge. Was macht das Format so besonders?
Jeder von uns spielt an einem einzigen Abend an verschiedenen Orten. Wir kennen die Locations vorher nicht. Diese können klein sein mit 40 Zuschauern - oder auch mit ein paar hundert. Das heißt, man muss in Sekunden einen Plan entwickeln, wie man mit dem Raum umgeht. Und auch das Publikum variiert vom Alter her extrem, je nach Örtlichkeit. In einem schicken Restaurant geht man anders mit den Zuschauern um, als in einem irischen Pub. Mein Ziel ist es, dass das Publikum am Ende sagt: Mensch, der war toll, der hat genau in dieses Ambiente gepasst! Und noch ein Punkt kommt hinzu: In den Läden findet normalerweise keine Comedy statt. Man muss für seinen Applaus richtig hart arbeiten.


Wie läuft denn die komische Nacht für die Künstler in der Praxis ab?
Jeder von uns hat einen Techniker dabei, der alle Räume kennt und uns jeweils zum nächsten Ort bringt. Liegen die Lokalitäten nicht weiter als 500 Meter auseinander, wird gelaufen, bei längeren Strecken gibt es einen Shuttleservice. Laufen ist aber eigentlich schöner, meistens begegnet man unterwegs einem Kollegen, tauscht sich kurz aus, läuft weiter. Zwischen den einzelnen Auftritten liegen etwa 20 Minuten Pause, mit etwas Glück hat man ein paar Minuten zum Verschnaufen. Nach sechs Auftritten ist man ganz schön geschafft - aber das ist angenehm. Einmal war ich drei Tage nacheinander bei komischen Nächten, das war wirklich anstrengend.


Für die Künstler ist das ganz sicher eine Herausforderung. Aber was ist das Besondere fürs Publikum?
Bei einem gewöhnlichen Comedy-Abend geht es viel ruhiger zu, wenn die Künstler hinter der Bühne warten und schön nacheinander auftreten. Bei der komischen Nacht indes baut sich Spannung auf - und die überträgt sich aufs Publikum. Die Leute schauen ständig zur Türe, fragen sich: Wer steigt aus dem Auto? Wann kommt der nächste Komiker?


Gibt es eine komische Nacht, an die Sie sich besonders intensiv erinnern?
Ja, gibt es. Bei einer Veranstaltung wurden in einer Lokalität zu viele Karten verkauft. Ein Teil der Zuschauer musste stehen und war total unzufrieden. Ich bin dort als erster aufgetreten und man sagte mir: Mach was, sorge sofort für gute Laune! Ich habe dann gesagt: Leute, wir sind alle frustriert. Ich zähle jetzt bis drei, dann rufen wir alle zusammen laut "Scheiße"! Das haben wir zweimal gemacht, dann war die Stimmung grandios.


Und worauf darf sich Ihr Publikum diesmal freuen?
Ich bin ein Engländer in Deutschland und wundere mich auch nach 30 Jahren noch über diese Sprache hier. Ich bin inzwischen 60 Jahre alt und habe zugenommen. Es geht um das Verheiratetsein und vielleicht auch ums Thema Scheidung. Kurzum: Ich packe meine 25 Minuten mit den Kuriositäten des Alltags voll und Sachen, die uns tagtäglich treffen.

(Michaela Schneider)

Das Interview findet ihr online unter:

www.main-echo.de/ueberregional/kultur/art4214,4007083